Jobben

Finanzierung des Studiums – Teil II

Jobben

„Kennste den schon? Geht ein Student zur Ar­beit…“: leider schon seit langer Zeit kein Witz mehr, sondern für die allermeisten Stu­dierenden Re­a­li­tät zur Fi­nan­zie­rung ihres Le­bens­unterhalts und Stu­diums. Im Fol­genden seien einige ein­fü­h­rende Tipps (alle Angaben ohne Garantie!) zu diesem komplizierten Thema gegeben. Auch hier gilt, ebenso wie beim BAföG und vielen anderen Dingen: im Zweifels­fall vorher noch einmal genau infor­mie­ren, z.B. durch einen Besuch des HSD-AStA-Sozialreferates.

Einkommensgrenzen/ Freibeträge

Von dem Vermögen bleibt anrechnungsfrei für den oder die Aus­zu­bil­denden selbst 5.200 Euro. Darüber ergeben sich Nach­teile in Form von Rück­zah­lungs­pflicht beim Bezug von Kinder­geld. BAföG-Zahlungen werden hier zu 50 Prozent als Einkommen angerechnet.

Steuerrechtlich schlägt der Fiskus bei Steuerklasse I etwa ab 900 Euro/ Monat bzw. 10.780 Euro/Jahr zu.

Um keine Abzüge bei der BAföG-Förderung zu erleiden, dürfen nur 450 Euro im Monat bzw. 5.400 Euro im Jahr dazu verdient werden. Diese Summe ist unabhängig von der Höhe der tatsächlichen BAföG-Förderung. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass eure Eltern den tatsächlichen Betrag (im schlimmsten Fall ein feuchter Händedruck deines Sach­be­arbeiters) auf den Höchstsatz aufstocken. Schön wär’s…

Mini-Jobs

Ein „geringfügiges Be­schäf­ti­gungs­verhältnis“, auch „Mini-Job“ ge­nannt, liegt vor, wenn ein Job mit ma­ximal 450 Euro Verdienst im Mo­nat angetreten wird. Die Arbeit­geber*innen zahlen an die „Minijob Zentrale“ 13 Prozent Pauschalbetrag für die Krankenkasse, 15 Prozent pauschal für die Rentenversicherung sowie ggf. 0,1 Prozent für die Lohn­fort­zahlungs­versi­cherung der „Mini­jobzentrale“ und 2 Prozent Lohn­steu­er­pauschale. Falls Ihr privat krankenversichert seid, müssen die Arbeit­geber*innen die Pauschal­zah­lung für die Kranken­kasse nicht entrichten. Ihr selbst zahlst einen Anteil für die Rentenversicherung (je nach Verdienst zwischen 4,0 und 9,95 Prozent), dadurch entstehen An­sprüche in der Renten­ver­siche­rung. Es gibt Möglichkeiten aufzustocken bzw. sich befreien zu lassen. Hierfür informierst du dich am Besten direkt bei der „Minijob Zentrale“.

Kurzfristige Beschäftigung/ Ferienjob

Innerhalb eines Jahres (nicht Kalender­jahr!) dürft Ihr im Rahmen einer „kurzfristigen Beschäftigung“ höch­stens drei Monate (= 70 Arbeits­­tage) arbeiten. Die Höhe eures Ein­kom­mens spielt dabei keine Rolle, außer natürlich in Hinblick auf die Jahres­ein­kom­mens­grenze / Frei­be­träge. Dieser Job ist weder sozial­ver­sicherungs­pflichtig noch wird er auf euren eventuell schon bestehenden 450-Euro-Job angerechnet. Ihr seid na­türlich steuerpflichtig, bekommt die gezahlten Steuern aber bei Nicht­über­schrei­tung des Jahres­freibetrages im Rah­men des Steuer­ausgleiches zurück.

Arbeitsverträge

Jedes Arbeitsverhältnis kommt in Form eines Arbeitsvertrages zustande, und hier gilt es gerade bei kürzeren Beschäftigungsverhältnissen auf einiges zu achten: Nach dem „Nachweisgesetz“ haben alle das Recht, spätestens einen Monat nach Beginn des Be­schäf­ti­gungs­ver­hält­nisses die wesentlichen Ver­trags­­bedin­gungen zu erfahren. Darunter fallen u.a. die Höhe des Ar­beits­ent­geldes, Arbeitszeit, allgemeine Tä­tig­keits­beschreibung, Hinweise auf Tarif­verträge und Be­triebs­ver­ein­bar­un­gen, Dauer der Beschäftigung, Kün­di­gungs­fristen und Arbeitsort. Jeden­falls sollte darauf geachtet wer­den, zu Beginn des Bes­chäf­tigungs­verhältnisses auf einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu bestehen, in welchem die wesentlichen Ver­trags­be­dingungen festgelegt sind, weil es immer wieder zu Streitigkeiten über Lohn­höhe, Aufgaben, Kün­di­gungs­fristen u.Ä. gibt, in denen man häufig selbst beim Weg zum Arbeits­gericht „den Kürzeren zieht“, weil es an Schriftlichem fehlt.

Honorar- und Werkverträge; freie Mitarbeit

Vielfach verdienen auch Stu­dierende ihr Geld nicht in (dienst-)ver­trag­lich dauerhaft geregelter Form, son­dern sind frei für Ar­beit­ge­ber*innen tätig bzw. erhalten für das Er­bringen bestimmter Leistungen ein be­stimmtes Hono­rar. Dabei sind sie als freie Mitarbei­ter*innen vollumfänglich für das Er­brin­gen der Leis­tung zuständig, insbesondere was die Art des Zu­stan­dekommens sowie Zeit und Ort des Erbringens angeht. Typi­sche Bei­spiele sind Hand­werker­*innen­ver­träge (Re­pa­raturen etc.), aber auch un­ter Um­ständen die Werbe­akqui­sition. Freie Mitar­bei­ter*innen erhalten ihr Hono­rar ohne Abzüge von Steu­ern und Versich­erungs­beiträgen; für die Versteuerung sowie die Kran­ken- und Rentenver­sicherung sind sie selbst zuständig. Natürlich entfallen auch Urlaubs- und Kranken­geld. Honorar sowie Ver­trags­bedingungen müssen selber ausgehandelt werden – insofern gibt es für „Selbstständige“ auch keinen gesetzlichen Schutz. Aller­dings ist diese Be­schäf­ti­gungs­form sinnvollerweise auch nur für eine freie Mitarbeit zu wählen und hat hier Vorteile; bei typisch abhängiger Be­schäft­igung ist sie unzulässig!

Bis zur Reform des 450-Euro-Gesetzes („Bekäm­pfung von Schein­­­selbstständigkeit“) war die Unter­scheidung zwischen selbständiger und unselbständiger Beschäf­tigung schwierig. Daher wurden viele Leute gerade mit geringem Einkommen von ihren Arbeitgeber­*innen über Werkverträge beschäftigt. Heute hat das Gesetz recht klare Regelungen aufgestellt – dennoch werden diese Regelungen von Arbeitgeber*innen immer mal wieder übergangen. Insofern aufgepasst: Nur wenn wirklich ein freies Mit­arbeiter*iInnen­ver­hältnis vorliegt, hat diese Ver­tragsform auch Vorteile für dich! Im „Gesetz zur Förderung der Selbstständigkeit“ hat der Bund festgelegt, welche Merkmale dafür sprechen, dass es sich um eine abhängige und damit sozialversicherungspflichtige Beschäftigung handelt. Bei Vorliegen von drei dieser Merkmale liegt im Regelfall Sozial­versiche­rungs­pflicht vor. Du solltest in diesem

Fall dringend mit deinem Betriebsrat oder der zuständigen Ge­werkschaft sprechen.

  • Du beschäftigst im Zusammen­hang mit deiner Tätigkeit regelmäßig keine versicherungspflichtige Arbeitnehmer*innen mit regelmäßigem Einkommen über 450 Euro.
  • Du bist auf Dauer und im Wesentlichen nur für eine/n einzige/n Auftraggeber*n tätig.
  • Dein/e Auftraggeber*in lässt ähnliche Tätigkeiten regel­mäßig von anderen abhängig Beschäftigten im Betrieb erledigen.
  • Deine Tätigkeit lässt typische Merkmale unternehmerischen Handelns (z.B. Werbung) nicht erkennen.
  • Deine Tätigkeit entspricht dem äußeren Erscheinungsbild nach einer Tätigkeit, die du für selbige/n Arbeitgeber*in vorher aufgrund eines Beschäftigungs­verhältnisses ausgeübt hast.

Krankenversicherung

Die meisten StudentInnen sind in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versichert, denn
mit der Immatrikulation an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule besteht dort bis
zum Ende des 14. Fachsemesters, längstens der Vollendung des 30. Lebensjahres, eine
Versicherungspflicht. Liegen die Vor­aus­setzungen der beitragsfreien Familien­versicherung über
einen Familienangehörigen des Studierenden vor, so geht diese der Versicherungspflicht vor. Ferner
besteht zu Anfang des Studiums die Möglichkeit der Befreiung von der Ver­si­che­rungs­pflicht.
Achtung: Wenn Ihr außerhalb der Semesterferien jobbt, müsst Ihr jederzeit glaubhaft machen, dass
dennoch euer Schwerpunkt auf dem Studium liegt. Ansonsten geltet ihr im Sinne der Sozialversicherung
nicht mehr als Student*in, sondern als Arbeitnehmer*in. Formal geht das in der Regel, indem Ihr
weniger als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Oder Ihr weist in Ausnahmefällen bei mehr als 20 Stunden
nach, dass diese am Wochenende und/oder am Abend verrichtet wurden, das o.g. Schwerpunktsprinzip
also nicht beeinträchtigt wurde. Weitere Informationen dazu gibt es hier:
Familienversicherung
Im Regelfall wirst du bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres beitragsfrei in der gesetzlichen
Krankenkasse eines Elternteils von dir mitversichert (sogenannte Familienversicherung). Die
Altersgrenze verlängert sich um den Zeitraum eines abgeleisteten Freiwilligendienstes (z.B. FSJ,
FÖJ, BFD, …; maximal 12 Monate) oder gesetzlichen Pflichtdienstes. Die Familienversicherung kann
auch über einen Ehegatten oder Lebenspartner nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz begründet werden,
dann sogar ohne eine Altersgrenze.
Die Familien­ver­sich­erung entfällt bei einem regelmäßigen monatlichen Gesamteinkommen des
Studierenden von mehr als 445 Euro (2019; bei einem 450-Euro-Job ist die Grenze auf 450 Euro erhöht).
Pflichtversicherung
Zu Anfang des Studiums ist der Hochschule der Nachweis zu erbringen, krankenversichert zu sein
(Versicherungsbescheinigung einer gesetzlichen Krankenkasse). Soweit die Voraussetzungen der
Familien­ver­siche­rung nicht vorliegen, wirst du regelmäßig von der Versicherungspflicht als
Student in der GKV nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V erfasst. Der monatliche Grundbeitrag in der
sogenannten gesetzlichen Krankenversicherung der Studenten (KVdS) beträgt aktuell 66,33 Euro, dazu
kommt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag und der Pflegeversicherungsbeitrag (ab 2019: 19,80 Euro
bzw. 21,42 Euro für kinderlose Studierende über 23 Jahre). Wenn du BAföG bekommst, erhältst du einen
Zuschuss zur Kran­ken- und Pflegeversicherung, sobald du dich selbst versichern musst.
Freiwillige Versicherung
Wer sich nicht beitragsfrei familienversichern kann und von keiner Versicherungspflicht in der GKV
erfasst wird, kann sich gegebenenfalls freiwillig versichern bzw. wird dies sogar automatisch, wenn
er zuvor gesetzlich krankenversichert war. Die Beiträge werden hier anhand einer
Mindestbemessungsgrundlage von 1.038,33 Euro / Monat (2019) berechnet. Wer höhere beitragspflichtige
Einnahmen im Monat erzielt, dessen Beiträge berechnen sich anhand dieser Summe. Nach Ende der
studentischen Pflichtversicherung findet bis zur der das Studium abschließenden Prüfung, maximal
jedoch für sechs Monate, ein reduzierter Beitragssatz Anwendung (ugs. Übergangstarif), danach der
normale für alle freiwillig Versicherten.
Befreiung von der Versicherungspflicht
Eine unwiderrufliche Befreiung von der Ver­sicherungspflicht nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 SGB V um sich
(weiter) privat krankenzuversichern ist möglich, sobald diese Versicherungspflicht im Studium das
erste Mal eintritt (gleich zu Anfang oder nach Ende der Familienversicherung). Jedoch möchte diese
Entscheidung sehr gut überlegt sein, denn aus der PKV kommt man erst wieder raus, sobald
Versicherungspflicht in der GKV eintritt oder eine Familienversicherung begründet werden kann und
die Befreiung nicht mehr fortwirkt. Erhöht die PKV die Beiträge, bspw. weil du als Beamtenkind mit
in der Regel 25 nicht mehr beihilfeberechtigt bist, so stellt dies allein keinen Grund dar, in die
gesetzliche Krankenversicherung wechseln zu können, du kannst dann maximal den Tarif innerhalb
deiner Gesellschaft wechseln oder zu einem anderen privaten Krankenversicherungsunternehmen wechseln!

Jobsuche

In der Regel finden sich an allen HSD-Stand­orten schwarze Bret­ter mit Jobangeboten, nicht selten wird sehr kurzfristig gesucht, so dass eine häufige Suche nach neuen Angeboten lohnen kann. Arbeit­geber*innen, die kurzfristig Aushilfen suchen (z.B. auf der nahen Messe), rufen gerne im mal im AStA-Büro an und bitten um Aushang.

Über die Online-Suchmaschine der Bundes­agentur für Arbeit lassen sich in den Filterkriterien Studi-Jobs und 450-Euro-Jobs gezielt suchen:

Außerdem bietet das Stu­die­ren­denwerk Düsseldorf auch ein On­line­portal für Job-Angebote und -Gesuche an:

Weitere Information zum Thema Jobben findest du bei der DGB-Jugend:

und bei:

Außerdem kannst du beim HSD-AStA-Sozialreferat (Kontakt über sozialreferat@asta-hsd.de) einige sehr informative Broschüren zum Thema erhalten.

Euer HSD-AStA-Sozialreferat

Quelle: Starthilfe – Erstsemester*innen-Info des AStA HS Düsseldorf, Ausgabe 2017, Erscheinungsdatum 4.10.2017.